Monsieur Saviem – 04.08.2013

Nachdem er sich schon vor Wochen angekündigt hatte, sollte es gestern nun endlich soweit sein. Gespannt darauf, ob seine Reise ohne Probleme verlaufen würde, machten wir uns also auf den Weg, Monsieur Saviem abzuholen.

Aber wer ist der rätselhafte Monsieur Saviem?

Selbst in Frankreich, wo er geboren ist und die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat, weiß man eigentlich nicht viel über ihn. Er ist irgendwann in Vergessenheit geraten, obwohl er sich ab den späten 60-ern bis in die 90-er Jahre Jahren viel auf Rad- und Autorennstrecken aufgehalten hat.

Monsieur Saviem war für eine wichtige Französische Zeitung tätig und ab 1967 regelmäßig auf der „Tour de France“ zu finden, sowie bei den wichtigen Motorsportveranstaltungen auf dem „Circuit Paul Ricard“ in Südfrankreich, nachdem diese 1970 fertiggestellt war. Hier auch regelmäßig bei den Formel 1 Veranstaltungen zum „Großer Preis von Frankreich“

Er war dort nicht etwa als einfacher Zaungast, sondern stets in vorderster Reihe in der Nähe der Reichen und Schönen. Er war jung und makellos und liebte den Geruch von Schweiß und Benzin.

Aber alles hat mal ein Ende, so auch für Monsieur Saviem, als er für diesen Lebenstil einfach zu alt wurde. Im Alter von 36 Jahren verließ er Frankreich und wanderte nach Deutschland aus. Er wollte einen Job bei der bekannten Traber-Show annehmen, wo er auch wieder den Duft von Benzin und Nervenkitzel leben wollte. Leider wurde da nichts daraus. In seinem neuen Domizil fristete er für die kommenden 7 Jahre sein trauriges Dasein in einer Halle, ohne dass er auch nur von irgendjemand beachtet wurde.

2010 kam er nach Freiburg im Breisgau und sollte wieder auf die großen und kleinen Rennstrecken Europas. Welch Freude!! Leider wurde Ihm nur ein großes, großes Loch in den Bauch geschnitten. Danach ein 2 Jahre langes, ödes Warten, bis ihn auch hier keiner mehr haben wollte.

2012 nahm ihn dann ein feiner Herr mit zu sich, der ihm versprach, mit ihm auf die schönsten Oldtimerveranstaltungen zu fahren. Aber auch daraus wurde nichts. Im Gegenteil, jetzt durfte er nicht mal mehr drinnen leben, sondern stand bei Wind und Wetter draußen, zusammen mit ungefähr 40 jungen Minibaggern, die alle zusammen nicht so alt waren, wie er selbst. Er fristete hier ein wirklich trauriges Dasein. Das sahen wir Ihm auch an, als wir in diesem Frühjahr seinem Kontaktgesuch in der Bucht folgten, um uns ein Bild von ihm zu machen.

Tja, und gestern war nun der große Moment, unseren Monsieur Saviem im Breisgau abzuholen, um ihm ein neues, abenteuerliches Leben zu schenken.

Mit uns wollte sich auch Chris aus Lindau dieses Ereignis nicht entgehen lassen und reiste deshalb mit uns nach Freiburg. Obwohl die große Politik nach Ihm rief, entschied sich Chris dazu, nicht die Welt, sondern Monsieur Saviem zu retten. (Muss nur mal schnell den Bus retten, danach komm ich zu dir … oder so), und so begab sich das Ey-Team auf große Fahrt. Start: 6.45 Uhr Dettingen

Hier also das Ey-Team („Ey, sind wir bald da?“)

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Letztendlich hatten wir die Reise nach Freiburg ohne Schwierigkeiten gegen 11.15 Uhr geschafft, und nachdem uns der freundliche Nachbar des Exbesitzers Einlass in Monsieur Saviems vergitterten Stellplatzes verschafft hatte, konnten wir unser neues Familienmitglied endlich begrüßen.

Et voilà … Monsieur Saviem

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Die Rosttränen, die seinen geschundenen Stellen entlaufen waren, würden schon bald der Vergangenheit angehören, wenn er erst einmal ‚zu Hause‘ war, doch bis dahin würde es noch ein weiter Weg sein. Genauer gesagt: 252 km und noch 4 Stunden Vorarbeit an der Elektrik, wie wir bald feststellten. Doch zu Allererst wurde die vermaledeite, den ganzen Bus verschandelnde Heckklappe mit einem Spanngurt vor dem Aufspringen gesichert, der Lichtbalken, sowie die Kurz-Kennzeichen angebracht.

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Jetzt noch schnell das Licht anschließen, und schwupps sind wir auch schon wieder weg … Dachten wir zumindest, doch die Elektrik wollte nicht so, wie wir es gerne gehabt hätten …

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Also mal eben erst mal den Mann, der unter dem Bus wohnt, kontaktieren, damit er, wenn er doch eh gerade drunter liegt, die Lichtleiste anschließen kann. „Verdammt – wo krieg ich hier denn die Masse her?“ … „Hab‘ ich schon gesagt, dass mir heiß ist?“ … „Wäääh … hier bröselt’s wie Schwein.“ „Christian kannst du mal eben blinken? Rechts? Nee, doch links! Oder egal!“

… Jahre später …

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„Hab ich schon erwähnt, dass mir heiß ist?“ „Christian, kannst du mal blinken? Rechts? Links? Egal … Mach, was du willst.“ „Hat jemand mal ’ne Schraube, damit ich die Masse anschließen kann?“

Zwischendurch wurde der Kühlergrill noch montiert „Dann sieht der Monsieur von vorne gleich nicht mehr so schäbig aus.“, und letztendlich, nach guten vier Stunden und einigen Kontrollbesuchen des Vorbesitzer-Sohnes, der uns wohl auf dem Firmengelände im Auge behalten sollte, endlich ein Jubelschrei: „Feeeeeeeerrrrttttttiiiiiiiiggggggg!!!“

Okay, also rasch fremdgestartet mit den neuen Batterien …

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Monsieur Saviem schnurrte wie ein Kätzchen, doch dann machte er seltsame Geräusche und das Licht flackerte … ein Relais muckte … und so mussten wir den Mann, der im Kühler wohnt, kontaktieren, damit er erste Hilfe leisten konnte.

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Aber dann … Adios HKL-Stellplatz in Freiburg-Hochdorf … jetzt ging es erst einmal zur Tankstelle, um mit einer randvollen Tankfüllung die Heimfahrt zu sichern, Luft in den Reifen nachzufüllen, und um auch unseren Durst und kleinen Hunger zu stillen, ehe wir uns auf die Rückfahrt machten.

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Wir fuhren im Konvoi … Das Ey-Team im Bus vorweg, ich mit dem Auto hinterher, schließlich weiß man ja nie, was alles noch passieren kann.

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Kaum auf der Straße draußen, ich hatte mich gerade noch am fröhlichen Blinken der funktionierenden Blinker erfreut, da gaben sie schon ihren Geist auf und nix ging mehr. (Zum Glück hatten wir den Mann, der unter dem Bus wohnt, mit eingepackt) – egal – der Autohof war ja gleich um die Ecke …

Nach einer Stunde Mittagspause mit Kaffee, Latte Machiatto, Cola, Apfelsaftschorle (literweise bei weit über 30 Grad) und einer Kleinigkeit zu essen, kümmerten sich die Männer noch einmal um die Elektrik, derweil ich im nahegelegenen Baumarkt ein paar notwendige Kleinigkeiten besorgte.

Bis ich zurückkam, waren neue Batterien im Bus via Überbrückungskabel durchs Fenster mit den alten Batterien des Monsieur Saviem verbunden, sodass die richtige Stromversorgung gesichert war, und somit auch das Licht nicht mehr ausfallen sollte.

Also: endgültiger Start Freiburg: 16.00 Uhr

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Alles verlief prima. Blinker blinkten, Bremsleuchte leuchteten … aber warum zum Henker ging das Rücklicht nicht? Und warum leuchtete auf einmal die Nebelschlussleuchte, obwohl sie gar nicht angeschlossen ist??? … Und irgendein Lämpchen leuchtet ununterbrochen, von dem keiner weiß, was es uns sagen möchte …

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Direction = Leitung … Hhmm … sollte vielleicht irgendeiner des Ey-Teams auf der Leitung stehen oder sitzen? Wenn ja, auf welcher?!?

Okay, das Geheimnis der Nebelschlussleuchte lüftete sich, als die Sonne nicht mehr ganz so doll schien … War nur eine Reflexion. Aber das Rücklicht? Als Hinterherfahrer bekam ich fast die Krise, als, bis auf die Begrenzungsleuchten des Busses, alles von hinten her dunkel war, derweil wir im Tunnel fuhren. Erst später klärte mich der Mann, der unter dem Bus wohnt, darüber auf, dass das Rücklicht gar nicht angeschlossen wurde, aufgrund einfädiger Birnen, damit wenigstens das Bremslicht geht. Aha … okay … Dieses Wissen machte mich jetzt allerdings auch nicht viel glücklicher, da der Himmel immer dunkler, ja fast schwarz wurde, je weiter wir uns Lindau näherten. Gewitterhimmel und die Aussicht darauf, erst im Dunkeln nach Hause zu kommen, machte mich nun schon etwas nervös, aber das Ey-Team war völlig relaxt … Na dann …

Mal eben schnell einen Fahrerwechsel, damit der Mann, der als Beifahrer manchmal im Bus wohnt, auch mal die Buserfahrung mit einer Spazierstockschaltung von rechts nach links machen konnte, und schon ging’s weiter. 🙂

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Immer wieder mal ein Blick auf die Uhr … „Muss um 20.15 Uhr in Lindau sein! – Alles ist gut! 🙂 “ Chris musste noch für die Grünen Plakate kleben, eigentlich schon seit einer Stunde, aber … alles ist gut – klingt gut!

Um 19.45 Uhr erreichten wir den Autohof in Kressbronn, wo Georg schon bereits auf uns wartete, oder vielmehr auf Chris, um ihn zu den Grünen zu fahren, die ihn schon schwer vermissten.

Vielen Dank, lieber Chris, dafür, dass du mitgefahren bist, dafür, dass du uns Schützenhilfe geleistet hast, und überhaupt und sowieso! War Klasse, und wir werden uns mit Sicherheit bei Gelegenheit revanchieren.

So, jetzt mustten wir aber mit Schmackes nach Hause fahren … ähem … Monsieur Saviem muckte auf … Da standen wohl irgendwie die Zahnräder am Motor übereinander und nicht ineinander, also: Bus zwei Zentimeter anschieben, dann schnurrte auch der Motor wieder und wir machten uns auf die letzten 87 km nach Hause.

Völlig problemlos erreichten wir – ohne Rücklicht – in stockdunkler Nacht gegen 21.30 Uhr den Heimathafen, und jetzt steht unser zweites Busle erst einmal im Hof, bis es heute noch, im Laufe des Tages, seinen Weg in die Halle antreten darf, um dort auf weitere Fahreinsätze, bzw. auf Restauration zu warten.

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Die Rosttränen sind versiegt – seine Stoßstange hat er auch schon wieder – zumindest einmal übergangsweise, und so kann sich Monsieur Saviem auf ein neues, abenteuerliches Leben freuen.

Wir jedoch sagen: Bienvenue, Monsieur Saviem – schön, dass du endlich da bist!

IMG_6002 Et voilà, ... Monsieur Saviem-04.08.2013

 

Gefahrene Kilometer: 265

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Ein Kommentar zu Monsieur Saviem – 04.08.2013

  1. Chris sagt:

    Beste Aktion seit langem 😀

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