Wiederbelebung des Monsieur Saviem

Seit 20 Monaten ist Monsieur Saviem nun bei uns.

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Wir mussten ihn seinerzeit „retten“, ehe er in der Presse landet. Es gibt Situationen im Leben eines jeden Oldtimerfans, in denen der klare Verstand abschaltet und man ein Fahrzeug unbedingt retten muss, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ist, mit welchem Hintergrund. Das kennen sicher viele hier.

Unser Saviem war im November 2012 bei Ebay eingestellt. Bei dieser Auktion fand er keinen Käufer. Er wurde daraufhin im Mai 2013 nochmals eingestellt. Ich hatte ihn natürlich unter Beobachtung. Rein aus Interesse und völlig ohne Kaufabsichten. Man muss ja schließlich am Ball bleiben, was auf dem Busmarkt so vor sich geht.

In der Anzeige wurde er als „Werkstattfund“ angepriesen 🙂 Klick! . Auf jeden Fall fand sich über Ebay auch dieses Mal kein Liebhaber für den Bus, was wir zum Anlass nahmen, ihn am 26.05.2013 einfach mal zu besichtigen. Freiburg ist ja nicht so weit von uns. Nur mal gucken …. 🙂

Und so fanden wir ihn vor:

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Ein Jahr draußen sieht man einfach…

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Teilzerlegt aber vollständig

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Schade um das originale Heck

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Eine Klappe mit 2,50 x 5,00 m für die Fotografen…

 

Auf den Fotos sah er sehr rostig und mitgenommen aus. An vielen Stellen war die Rostbrühe heruntergelaufen, Die Klappen, Zierleisten und Stoßstangen fehlten. Am Heck war eine überaus häßliche Klappe eingebaut. Auch der Aufbau ist sicherlich Geschmackssache. Einfach kein Standardbus. Eben was Besonderes 🙂 . Der Aufbau ist ähnlich einem Bücherbus, aber eben etwas eigenwillig. Der Bus hätte mir keine Ruhe gelassen, wären wir nicht nach Freiburg gefahren. Eigentlich wollte ich durch die Besichtigung nur die Bestätigung, dass die Karre reif für den Schrott ist. Das hätte mir vollauf genügt, um wieder ruhig schlafen zu können.

Was wir aber zu sehen bekamen, hätte ich nicht erwartet. Der Bus war bis auf ein paar kleinere Stellen rostfrei!!! Die Anbauteile waren nicht abgerostet sondern abmontiert und alle vorhanden. Die Laufleistung war durchgehend anhand der Inspektionsberichte nachvollziehbar.

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Krückstockschaltung – wie geil ist das denn…

 

Der Besitzer erzählte uns, dass der Bus mit dem Sonderaufbau für die „Tour-de-France“ versehen wurde und eben auch nur im Tour-de France-Einsatz war. Daher die geringe Laufleistung. Nach Außerdienststellung des Busses 2003 wurde er an die bekannte „Traber Show“ verkauft, die ihn zum Renntransporter umbauen wollten. Von Trabers wurde der Bus teilzerlegt, die hydraulische Heckklappe mit Verladeschienen eingebaut und an der Außenhaut wurde damit begonnen die Flugroststellen abzuschleifen. Dann schlief das Projekt, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann ein, und der Bus schlummerte tatsächlich bis Anfang 2012 in einer Halle. Anschließend wurde er an seinen jetzigen Besitzer verkauft, welcher seine Oldtimer damit transportieren wollte, das Projekt aber auch nicht wirklich angegangen ist. Der Bus stand zu diesem Zeitpunkt ein Jahr draußen. Die abgeschliffenen Stellen an der Außenhaut rosteten, und aus den Schraublöchern der Klappen, Stoßstangen und Zierleisten lief die Rostbrühe.

Wir konnten das gute Stück so nicht dort stehenlassen und kauften ihn spontan!

Die Abholung zog sich etwas hin, da einzelne Teile noch in der Werkstatt lagerten, in welcher der Bus acht Jahre seines Lebens verbrachte und anschließend als „Werkstattfund“ widwergefunden wurde (Ey, ich hab meinen Bus verlegt, hast du ihn zufällig gesehen 🙂 ). Bis der Vorbesitzer diese dort abgeholt hatte, wurde es August. Auf jeden Fall sind wir dann am 4. August zusammen mit Daffy-Chris losgezogen um das gute Stück abzuholen. Der Bericht dazu ist hier zu lesen.

In der Folgezeit konnten wir uns nicht wirklich zu einer Entscheidung durchringen, was aus ihm werden soll.

Anfangs dachten wir dran, ihn wieder original, einfach nur als Oldtimerbus aufzubauen. Vielleicht auch als mobile Massagepraxis. Zwischendurch immer wieder der Gedanke, ihn doch zu verkaufen, obwohl es mir in der Seele weh täte, wenn ihn jemand zerschneiden und Campingfenster einbauen würde. Ende letzten Jahres dann der Gedanke, ihn ans Busmuseum in Betschdorf abzugeben, einfach nur, dass er so bleiben darf, wie er gebaut wurde. Platz vor Preis 🙂 . Jean-Luis Eschenlauer hat auch großes Interesse bekundet, aber irgendwie war ich noch nicht reif für den Deal.

Nachdem wir mit unserer Aubergine nun seit mittlerweile fast drei Jahren auf Tour sind und diese übrigens nach wie vor heiß und innig lieben, war es aber auch mal an der Zeit, eine gedankliche Positiv-Negativ-Liste zu machen. Es kamen auch nicht viele Punkte dabei heraus, die stören. Leider wäre dies aber, zumindest langfristig, mit einem kompletten Umbau der Innenausstattung verbunden.
Auch das wäre noch kein Drama. Ich fürchte mich allerdings davor, dass dann eins zum anderen kommt und es auf eine Komplettrestauration rausläuft. Und das wollen wir definitiv nicht. Für uns war schon immer klar, dass wir unseren Bus nutzen wollen. Es gibt so viele in der Busscene, die seit Jahren restaurieren und oftmals noch nicht einen Meter mit ihrem Bus gefahren sind.

Daraus entstand nun der Entschluss, den Saviem im Laufe der nächsten Monate oder wenigen Jahren als „Wohnbus-Endlösung“ herzurichten. Mir ist dabei wichtig, das Heck wieder dem Originalzustand ähnlich zurückzubauen und ansonsten das äußere Erscheinungsbild nicht anzutasten. Das heißt keine zusätzlichen Fenster und Öffnungen in der Außenhaut nur dort wo sie nicht zu vermeiden sind.

Nachdem sich zwar der Rost in sehr engen Grenzen hält, aber dafür vieles andere notwendig ist, um das Ziel zu erreichen, werde ich hier unseren Umbaublog starten und hoffe natürlich auf viele Anregungen und Feedbacks.

Ich werde also sämtliche Gedanken und Schritte zum Umbau hier dokumentieren. Dieser Umbaublog wird nicht nur den Fortgang unserer Arbeiten dokumentieren, sondern eine gute Basis werden, um vielen anderen Umbauenden und noch Unentschlossenen Anregungen zu geben.

Also, haut kräftig in die Tasten und gebt uns und allen anderen eure Anregungen und euer Fachwissen zur Verfügung 🙂

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4 Kommentare zu Wiederbelebung des Monsieur Saviem

  1. Sputnik sagt:

    Sehr schön … der Trend geht wohl definitiv zum Zweit(wohn)Bus … Wünsche Euch viel Erfolg beim Umbau und denke, dass es die richtige Entscheidung ist … einem zum Reisen, den anderen zum gemütlichen Ausbau ohne Stress … Wenn man den Platz hat … perfekt !

    • Christian sagt:

      Na ja, irgendwann wird wohl der Zeitpunkt kommen dem 302er Adieu zu sagen, was mir jetzt schon in der Seele weh tut. Aber irgendwann mobil zu leben heißt natürlich gleichzeitig auch minimalistischer zu leben.
      Ich habe auch keine Ahnung, wie lange der Saviem-Ausbau so nebenher dauert, aber ich rechne durchaus mit 2 oder 3 Jahren. Wir lassen uns überraschen 🙂

  2. Andreas sagt:

    Hi Christian,

    ein Bus von der Dernières Nouvelles d’Alsace, unsere Tageszeitung als wir in Frankreich wohnten. Sehr schön!

    Viel Spaß und Glück beim wiederbeleben.

    Gruß
    Andreas

    • Christian sagt:

      Hi Andreas,
      die Welt ist manchmal doch recht klein 🙂
      Ich bin erstaunt, wie ihr Leben und Arbeiten im Düdo hinbekommt.
      Ich habe beim Gedanken an dauerhaftes Wohnen Probleme mit mehr als der doppelten Fläche 🙁 bei aber einem zugegebenermaßen für diese Zwecke nicht optimalen Ausbau.
      Ich hoffe, man trifft sich mal irgendwo
      Schöne Grüße
      Christian

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