Prag – die goldene Stadt

Mein letzter Besuch in Prag liegt gut 25 Jahre zurück. Gabi war noch nicht dort. Gute Gründe also, wieder mal die „goldene Stadt“ zu besuchen.

Meine Erinnerungen an Prag beschränkten sich also hauptsächlich auf die Prager Burg, Kirchen, das Kafka-Museum und viele Bier- und Jazzkeller in der Altstadt. Aber auch viel Schmutz, eine übel riechende Moldau und natürlich Ostblockmief an allen Ecken.

Wir waren also sehr gespannt, wie uns Prag empfangen wird.

Schon bei der Fahrt in die Stadt fallen uns die neuen Zubringerautobahnen auf, wobei beim Bau der Prager Stadtautobahn offensichtlich auf die bestehende Wohnbebauung wenig Rücksicht genommen wurde.

In und um Prag gibt es einige Campingplätze, die auf Ihren Internetseiten damit werben, auch Wohnmobile über 8 m aufnehmen zu können. Wir haben uns für den zentrumsnahen Caravan Camping entschieden. Von der Lage her ist der Platz tatsächlich erste Sahne. 3 min zur Bushaltestelle um auf direktem Weg ins Zentrum zu gelangen. Wir haben den Weg ins Zentrum mit unserem Motorroller überwunden und waren in knapp 10 Minuten vor Ort. Der Campingplatz selbst war sehr gut ausgestattet mit Restaurant, relativ neuen Sanitäranlagen, warmen Duschen, WLan und einer Ver- und Entsorgung (2 Bodenschächte) die auch für große Mobile geeignet ist.  Mit viel Rangierarbeit gelingt es uns, das Wohnmobil so zu stellen, daß der Verkehr auf dem Platz nicht zum Erliegen kommt. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Platz für Wohnmobile bis max. 10m Länge. Für 12 m-Mobile ist der Platz sowohl von der Stellplatzlänge als auch der schmalen Zufahrt mit 90 Grad-Kurve eher nicht geeignet.

Nun aber zu Prag.

Natürlich haben wir uns nach unserer Ankunft sofort aufgemacht um Prag zu erkunden.

Wir parken unweit der Karlsbrücke in der Altstadt (ja mit Motorroller geht das) und gehen wie viele Prag-Besucher zuerst in Richtung Karlsbrücke. Wir kommen am am Clementinum vorbei. Dieses war früher ein Jesuiten-Kolleg. Das umfangreiche Barockgebäude liegt unmittelbar an der Karlsbrücke und beherbergt heute die Tschechische Nationalbibliothek sowie mehrere wissenschaftliche Institute.

Clementinum bei Nacht

Clementinum bei Nacht

Der Altstädter Brückenturm am Anfang der Karlsbrücke wurde wunderbar restauriert. Hier angebracht sind auch die Figuren von Kaiser Karl IV und seinem Sohn Wenzel IV.

Am anderen Moldau-Ufer sind die Prager Burg und das Kafka-Museum zu sehen. Auch die darunterliegende Moldau macht mittlerweile einen sehr sauberen Eindruck. Es sind in Sichtweite der Brücke auch viele Badende oder aber auch mit Tret- und Ruderbooten im bzw. am Fluß. Unzählige Händler, Musiker und Künstler bieten auf beiden Seiten der Brücke ihre Dienstleistungen und Waren feil. Aber natürlich befinden sich dort auch Touristen, Touristen, Touristen …. Trotzdem ist die Karlsbrücke ein wichtiges Denkmal der Stadt und gehört auch zum Pflichtprogramm eines Besuches dieser Stadt. Trotz allem Rummel hat das Zentrum von Prag eine unvergleichliche Atmosphäre.

Weiter verschlägt es uns am anderen Ende der Brücke unter einem alten Wehrturm hindurch in den Stadtteil Malá Strana (Prager Kleinseite).  Malá Strana bildete von 1257 bis 1784 eine rechtlich eigenständige Stadt unterhalb der Prager Burg mit einem von der Prager Altstadt deutlich abweichenden Charakter. Unweit der Karlsbrücke erreicht man die John-Lennon-Mauer. Diese wird seit den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts mit von John Lennon inspirierten Graffitis und Teilen von Beatles Liedtexten bemalt. 1988 wurde die Mauer zum Symbol des Wiederstandes junger Tschechen und der kommunistischen Regierung und endete in einem blutigem Zusammenstoß hunderter Studenten und Sicherheitspolizisten auf der Karlsbrücke. Diese Studentenbewegung wird seither als Lennonismus bezeichnet. Die Regierung dagegen sprach von Alkoholikern, Geisteskranken, Soziopathen und westlichen Agenten.

John-Lennon-Mauer

John-Lennon-Mauer

Über den alten Königsweg erreicht man Mostecká ulice (Kleinseitener Platz) an dem es sich in den Restaurants unter den Arkaden hervorragend pausieren oder auch Essen lässt.

Mostecká ulice

Mostecká ulice

Wir schlendern noch ein wenig durch Malá Strana und entdecken dort ein veganes Restaurant, welches wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Man läuft, um zum Restaurant zu gelangen, gefühlte 200 Stufen in das vierte Stockwerk und betritt durch eine schlichte Holztür das modern gestaltete Restaurant mit einer sehr empfehlenswerten Küche. Es werden viele traditionelle tschechische Gerichte angeboten, welch entsprechend veganer Ernährung abgewandelt wurden. Highlight an schönen Tagen ist aber, sofern man sich in der Lage sieht noch ein weiteres Stockwerk zu erklimmen, die kleine Dachterrasse mit nur 3 Tischen über den Dächern der Stadt und direkt unterhalb der Prager Burg.

Am nächsten Tag gehts für uns auf die Prager Burg.

Mit dem Bus oder der Trambahnlinie 22 wäre diese auch bequem zu erreichen. Wir rollern allerdings wieder dorthin. Man betritt die Burg in der Regel durch den Haupteingang am Hradschiner Platz, vorbei am Palais Sternberg 

Hradschiner Platz mit Palais Sternberg

Hradschiner Platz mit Palais Sternberg

Man kommt im ersten Burghof u.a. an einem Ziehbrunnen mit kunstvoll geschmiedeten Gittern aus Anfang des 17. Jahrhunderts vorbei.

Kämpfende Giganten von 1768 im ersten Burghof

Kämpfende Giganten von 1768 im ersten Burghof

Durch das im barocken Stil errichtete Matthias-Tor gelangt man in den zweiten Burghof. Rechterhand des Tores führt eine Prunktreppe zu den ehemals als kaiserliche Gemächer genutzten Repräsentationsräumen. Über die linke Treppe ist hingegen die mächtige Säulenhalle erreichbar. Die Fassaden des seit dem 16. Jahrhundert bestehenden zweiten Burghofes wurden Ende des 18. Jahrhunderts von Nicolo Pacassi neu gestaltet. In der Mitte des Burghofes sprudelt ein barocker Springbrunnen aus dem Jahr 1686.

In der Südostecke des zweiten Hofes steht die aus dem Jahr 1763 stammende Heilig-Kreuz-Kapelle. Die Burggalerie ist ein weiteres Highlight des zweiten Burghofes und beinhaltet die ungefähr 70 Werke umfassenden Kunstsammlungen von Kaiser Rudolph I. sowie von Ferdinand II. Unter anderem sind Bilder von berühmten Künstlern wie Peter Paul Rubens oder Tizian ausgestellt. Vom zweiten Burghof aus führt eine Brücke in den für Ferdinand I. angelegten Königsgarten. Er ist im Renaissance-Stil gehalten und beherbergt das im Jahr 1569 erbaute Ballhaus. Vom Garten aus ist es nicht mehr weit bis zum ebenfalls für Ferdinand I. errichteten Lustschloss Belvedere.  Dieses wird auch „Lustschloss der Königin Anna“ bekannt und entstand in den Jahren von 1538 bis 1560.

Lustschloss

Lustschloss Belvedere

Der dritte Burghof beherbergt den Alten Königspalast, den Veitsdom, die Alte Probstei, die St.-Georgs-Basilika und die Nationalgalerie. Der St. Veits-Dom ist eine harmonische Stilvielfalt von der Gotik über die Renaissance und den Barock bis zur Neogotik und den Jugendstil.

Dahinter liegen noch weitere Schloßgärten, welche ebenfalls sehr sehenswert sind.

Alter Königsweg

Alter Königsweg

Sommer in Prag

Sommer in Prag

Moldau

Moldau

Altstädter Turm

Altstädter Turm

Einen Besuch ist in jedem Fall auch der Wenzelsplatz wert, auch wenn die umfangreichen Natursteinbeläge im „Wende-Wahn“ entfernt und die meisten Flächen asphaltiert wurden. Der Platz an sich wirkt durch seine Länge von 700m und der Breite von etwa 50 m eher wie ein Boulevard als ein Platz. Seit 1848 ist der zWenzelsplatz (Václavské námestí) nach dem Heiligen Wenzel benannt. Im Mittelalter und auch in der Neuzeit fand auf diesem Mittelpunkt der Prager Neustadt ein Pferdemarkt statt. Traurige Berühmtheit erlangte der Platz als sich am 16. Januar 1969 der Student Jan Palach gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im Jahr zuvor protestierte, indem er sich selbst verbrannte. Einen Monat später protestierte Jan Zajíc auf die gleiche Art an der selben Stelle. Heute erinnert ein Denkmal auf dem Wenzelsplatz an die beiden jungen Männer.

Heute ist der Wenzelsplatz mit seinen Fassaden im Barock oder Jugendstil bis spät in den Abend sehr belebt. Hier kann man spazieren, essen, tanzen, sich in ein Straßencafé setzen oder die Kaufhäuser, Bars, Hotels und Geschäfte rund um den Platz besuchen.

Für uns gäbe es noch viel zu besichten, jedoch reicht uns hierfür leider die Zeit nicht mehr. Es wird bei unserem nächsten Besuch dieser Stadt sicherlich einen 2. Teil dieses Berichtes geben.

Ach ja, eine Frage ist natürlich noch nicht beantwortet: warum wird Prag die „goldene Stadt“ genannt?

Manche Menschen behaupten, dies ginge auf das 14. Jahrhundert zurück, als Karl der IV viele Dächer vergolden ließ, welche später zur Kriegsfinanzierung wieder eingeschmolzen werden mußten und deshalb heute nicht mehr bestehen. Ich habe mich Nachts in Prag auf die Suche nach einer Antwort gemacht und diese auch gefunden, wie auf den folgenden Fotos zu sehen ist.

IMGP3685

Altstädter Turm bei Nacht

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Blick zum Nationaltheater

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Karlsbrücke

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Prager Burg

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Prager Burg mit Karlsbrücke

 

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