Mal wieder Zeit für eine Auszeit – Tag 1 Schloss Linderhof oder „Der Stiefel und seine Frau“

Völlig spontan haben wir beschlossen, uns mal wieder eine Auszeit an einem unserer „Magic Places“ zu nehmen und so packen wir heute unsere sieben Sachen in das Auberginchen und fahren gegen 13.30 Uhr samt Anhänger los. Unser heutiges Ziel ist Schloss Linderhof, wo wir die Umgebung ein wenig mit den Rädern unsicher machen wollen.

Doch erst führt uns unser Weg zu einer Entsorgungsstation, sodass wir ohne Altlasten unsere Reise fortsetzen können. Endlich haben wir ganz in unserer Nähe, nämlich in Memmingen einen Wohnmobilstellplatz mit Entsorgungsstation gefunden. Juchhu! Endlich kennen wir einen Platz kurz vor der Heimat, wo wir in Zukunft immer unser Auberginchen entleeren können, ehe es zu Hause wieder auf den Parkplatz kommt.

SONY DSC

Dann fahren wir weiter in Richtung Füssen . Gleich hinter dem „Tor zu Tirol“ stoppen wir an der Tankstelle, um unseren gnadenlos leeren Tank aufzufüllen. Es wundert mich immer wieder, wo das Auberginchen noch die letzten Reste Sprit hernimmt, um stets gerade noch diverse Tankstellen zu erreichen, obgleich die Tankanzeigennadel wie unter größtem Frost zittert und erbebt und somit unsere ganze Aufmerksamkeit fordert: „He ihr Luschen … mal wieder vergessen zu tanken? Jetzt ist gleich Ende Spaß! Macht hinne!“

Während das dieselige Manna im Busbauch verschwindet, werden bei uns Erinnerungen an unsere Hochzeit wach. Damals, auf dem Weg nach Venedig, waren wir mit unserem zitronengelben alten Spider unterwegs und haben ebenfalls hier getankt … und danach ist er (das erste Mal) nicht mehr angesprungen. Weitere ungeplante Ausfälle folgten, bis wir ihn schweren Herzens beim ÖAMTC in Imst stehen lassen und mit einem Leihwagen bis Venedig weiterfahren mussten, um unseren Hochzeitstermin nicht zu verpassen, aber DAS ist eine andere Geschichte und kann auf unserer Seite „auf-nach-italien.de“ nachgelesen werden, wenn’s jemanden interessiert.

Hach ja, dennoch mit schönen Erinnerungen an die damalige Reise, fahren wir beschwingt weiter, machen ungeplant einen planlosen, kurzen Zwischenstopp am Plansee

SONY DSC

und erreichen später, so gegen 16.30 Uhr das Schloss Linderhof.

SONY DSC

Die Parkplätze sind brechend voll, aber es gibt auch einen Wohnmobilstellplatz, auf dem – nach Angabe der freundlichen Stellplatzgebührempfangsdame im Kassenhäuschen – viel Platz ist. Übernachten darf man da zwar nicht, sagt sie, meint jedoch mit einem Zwinkern, dass es doch hin und wieder Camper gibt, die das einfach vergessen. Na, wenn das doch nicht mal ein netter Wink mit einem riesigen Zaunpfahl ist. Gut, alles gebongt, der Übernachtungsplatz ist somit gesichert, sofern wir mit unserem kleinen Gefährt samt Anhang dort tatsächlich einen Platz finden. Wir wollen uns das erst einmal anschauen, ehe wir die 3,50 Euronen löhnen und die supernette SPGED lässt uns auch wirklich zahlungsfrei durch. Wir merken ihr an, dass sie in diesem Augenblick die Kohle geistig bereits abgehakt hat.

Gleich darauf sehen wir einen relativ großen Stellplatz vor uns, eine Reihe kleinerer Wohnmobile stehen in Reih und Glied und wir beschließen, uns mit unserem Busle ganz hinten hinzustellen, um keinen zu stören.

Stellplatz Schloss Linderhof

Tun wir dann auch. Christian rangiert wie immer souverän und kerzengerade neben einem Ducato-Halbweißware- Fahrzeug ein, da steht der Besitzer auch schon da und beginnt zu keifen: „So könnt ihr da aber nicht stehenbleiben! Das geht nicht!“

Christian: „Warum nicht?“

Stinkstiefel: „Da ist doch kein Platz! Schaut mal, wie weit ihr da raussteht!“

Christian: „Wie weit stehen wir denn raus? Wo ist denn da eine Begrenzungslinie?“ (Wir standen akkurat auf der Stellfläche)

Stinkstiefel: „Das geht doch nicht!“

Christian: „Warum geht das nicht?“

Stinkstiefel: „Das gebietet der Anstand!“ … Halloo-ooo … eine blödere Antwort haben wir wirklich noch nie in Bezug auf einen Stellplatz gehört.

Christian freundlich: „Ich glaube, wir haben hier alle Platz!“

Stinkstiefel stinkstiefelig: „Warum stellt ihr euch nicht dort vorne hin? (Weit weg von ihm) Da stört ihr keinen!“

Meiner einer: „Um keinen zu stören, haben wir uns ja extra hinten hingestellt.“

Stinkstiefel kopfschüttelnd und vor sich hinbrabbelnd: „Keinen Anstand! Geht gar nicht! Blubberfaselgrmblschnurps …“

Egal! Wir haben keine Lust mehr auf sein hirnloses Gedöns. Können wir doch nix dafür, dass er nicht damit klarkommt, dass ein etwas größeres Busle neben ihm parkt.

Kurzerhand holen wir unsere Räder raus und fahren Richtung Schloss, jedoch nicht ohne vorher noch unsere Stellplatzgebühren zu berappen.

Die freundliche SPGED, von der Christian nicht mit 100%iger, aber zumindest mal mit 99%iger Sicherheit behauptet, dass er sie aus früherem Steinzeitalter her kennt, bekommt große Kulleraugen und bricht in wahre Begeisterungsstürme aus: „Der Wahnsinn! Ihr kommt’s tatsächlich und zahlt noch? Wahnsinn! Unglaublich!“ Sieht so aus, als ob wir mit unserer Ehrlichkeit ihr Weltbild positiv erschüttert haben.

Dann aber radeln wir los.

SONY DSC

Wir befinden uns also auf dem Gelände von Schloss Linderhof,

was sozusagen genau zwischen dem Graswangtal und dem Ammerwald an der schönen Linder liegt, die welche irgendwann versickert und als Ammer wieder erscheint (Status: Es ist kompliziert!).

Unser Radweg führt uns durch das Schlossgelände und den Park entlang des Ammer-Meditationsweges, dessen zeitweise immense Steigung beim Schieben der Räder wirklich nichts anderes mehr als Meditation zulässt (Mantra: Ich atme tief und ruhig, meine Muskeln sind ohne Kater, der Berg ist nur ein Hügelchen … ein Hügelchen … ein Hügelchen … eigentlich gar nicht vorhanden. Ich atme tief und ruhig, meine Mus… etc). Wir sind echt nix mehr gewöhnt. Sind wir im vergangenen Jahr wirklich 3000 km Jakobsweg geradelt??? (Bei Bedarf nachzulesen auf: literadtour.com) Kaum zu glauben!

Irgendwann, es beginnt zu nieseln, übermannt uns der Hunger auf die obligatorischen Spaghetti des ersten Bustages einer jeglichen Reise und so radeln wir wieder zurück. Einen kurzen Halt machen wir noch am Kasseneingang des Schlosses, wo wir uns köstlich darüber amüsieren, dass am Fressstand und den Touri-Lockzentralen die BREZEN, der KUCKUCK und auch die KUCKUCKSUHR auf Japanisch aufgelistet sind.

Brezen

Toll! „Bayrisch“ in japanischem Kanji – wir sind begeistert. Klasse finden wir auch das „Coffee to go“-Schild, wo steht: … auch zum mitnemma …Klasse!

Kaffee zum mitnemma

Apropos „Bayrisch“ … Gerade habe ich echt eine Vollwand vor dem Hirn … Heißt das nun „bayrisch“ oder „bayerisch“??? Die Autorin steht augenblicklich völlig auf dem Schlauch … von wegen „ois isi“ und so …

Wieder zurück im Bus, suche ich vergeblich nach der japanischen Aufschrift auf den Spaghetti, aber was soll’s … sie werden uns auch ohne Schriftzeichen schmecken … und bald darauf tun sie dies auch, zumal das Stinkstiefelchen bereits weitergezogen ist und uns somit nicht mehr nervt … denken wir zumindest im ersten Augenblick unserer Rückkehr. Fakt ist jedoch, dass er umgeparkt hat und zwar genau auf DEN Platz, den wir seiner Meinung nach einnehmen sollten, um „niemanden zu stören“!!! Prima! Wenigstens einer, der weiß, was der Anstand gebietet.

Als es dunkel wird, bewaffnen wir uns mit den Cams samt Stativ. Wir möchten gerne Nachtaufnahmen vom Schloss, bzw. vom Schlossgarten machen. Also laufen wir los. Leider ist jedoch absolut gar nichts beleuchtet, sodass Nachtaufnahmen zur Unmöglichkeit werden. Nach geraumer Zeit kehren wir unverrichteter Dinge wieder zurück (Ich fast nachtblinder Maulwurf tapse an Christians Hand unsicher durch die Gegend) und beenden unseren heutigen Tag mit einem Film, ehe wir ins Busbett sinken.

 

Zurück zur Startseite

2 Kommentare zu Mal wieder Zeit für eine Auszeit – Tag 1 Schloss Linderhof oder „Der Stiefel und seine Frau“

  1. Chris sagt:

    „Blubberfaselgrmblschnurps“ 😀 Ich lach mich schlapp 😉
    Was war denn jetzt eigentlich sein Problem?

    • Gabi sagt:

      Das, wenn wir wüssten … Gibt eigentlich nur nur vier infrage kommende Gründe: 1. Die Aubergine war ihm zu alt, 2. Sie war ihm zu bunt, 3. Sie war ihm zu groß oder 4. Er hat sowieso mit allem und jedem ein Problem 😀 Jedenfalls war’s lustig … zumindest mal für uns 😀

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.