Messetour nach Rheinberg oder „Es könnte alles so einfach sein – isses aber nicht“

Gabi möchte am verlängerten Wochenende 31.03. – 02.04.2017 als Aussteller zur INSPIRIT Gesundheitsmesse nach Rheinberg fahren, um dort ihre Bücher und ihre Wellnessmassage-Workshops zu bewerben. Geplant sind auch Schnuppermassagen am Stand und somit gibt es einiges in die Aubergine einzupacken, ehe es losgeht. Vom Massagestuhl über einen Ausstellertisch, Sitzwürfel, 2 Stühle, Decken, Handtücher, Massageöl, Werbematerial, Dekoartikel und diverser Kleinkruscht wird gleichmäßig in unserem Busle verteilt. Wir stellen mal wieder fest, dass der Innenraum der Aubergine für solcherlei Zwecke schlicht und ergreifend zu klein ist. Das Bett ist belagert, Tisch und Sitzbänke ebenfalls, aber letztendlich sind es ja nur wenige Nächte, an denen wir alles hin- und herräumen müssen, um einen Schlafplatz zu finden. Die meiste Zeit steht das Zeug ja auf der Messe rum.

Wir planen unsere Abfahrt am Mittwoch, den 29.03., nachmittags gegen 16.00 Uhr, damit wir am darauffolgenden Donnerstag gemütlich in Rheinberg eintrudeln können, um noch den Stand aufzubauen, ehe am Freitag dann die Messe beginnt. Jedoch wie immer, wenn wir einen Start-Zeitpunkt planen, kommen wir erst wesentlich später los und so futtern wir gegen 19.00 Uhr erst mal noch eine Pizza gegen den nächtlichen Hunger, der uns ansonsten auf der Fahrt überkommen würde und kommen somit erst um 20.30 Uhr in die Gänge. Unsere Hundis sind natürlich wieder mit am Start und legen sich gleich mal gemütlich auf ihre Kissen. Kaum schnurrt Auberginchens Motor, sind die Kleinen auch schon weggedöst.

Von insgesamt 583 km fahren wir die ersten 273 km und kommen um 1.45 Uhr in Hemsbach an, wo wir einen klasse Parkplatz direkt neben einem REWE in fußgänger- und hundefreundlicher Umgebung finden. Mal eben noch schnell eine kurze Runde mit den Kleinen drehen, dann Bett abräumen und ab in die Falle. Morgen folgt dann den Endspurt.

 

Es ist Donnerstagmorgen, wir zischen den ersten Kaffee, gehen kurz mit den Hunden, dann organisiert Christian frische Semmeln und wir starten erneut durch. Wir sind guter Dinge, dass wir locker am frühen Nachmittag beim Standaufbau sind.

Das Wetter ist herrlich, die Sonne lacht, wir freuen uns auf die nächsten Tage. Mittlerweile haben wir Mannheim fast erreicht, als plötzlich die Nadel des Drehzahlmessers ausflippt und klackernd auf und nieder hüpft. Gleichermaßen blinkt die Ladekontrollleuchte auf dem Armaturenbrett ohne Ende. Christian vermutet, dass eventuell die Lichtmaschine im Eimer sein könnte, beruhigt mich jedoch gleichermaßen, dass die Aubergine deswegen nicht gleich stehenbleibt und wir beruhigt weiterfahren können. Wir beschließen jedoch, beim nächsten Bosch-Prüfdienst vorbeizufahren, um mal alles durchmessen zu lassen. Ist ja schließlich doch immer gut, wenn man ganz sicher weiß, was alles geht und was nicht geht.

Wir googlen die nächste Bosch-Servicestelle in Wiesbaden und fahren nun mal eben 14 km von unserer offiziellen Strecke runter, um kurze Zeit später von den netten Mitarbeitern eine Abfuhr zu bekommen. „Leider keine Zeit!“ Na ja, sie hätten ja auch auf den Nachbarparkplatz laufen müssen, wo wir die Aubergine an einem Supermarkt geparkt haben, da vor Bosch keine Möglichkeit dazu gewesen wäre. Okay. Wenigstens geben sie uns die Adresse einer weiteren Servicestelle in Wiesbaden, zu der wir auch in den Hof hineinfahren können. Super! Dann mal los und ein erneutes Mal quer durch Wiesbaden – ein nettes Städtchen, welches sich ziemlich weit zieht – dann Welcome Bosch-Dienst II.

Aber auch hier versagt der Service, denn das gesamte Elektriker-Personal ist heute angeblich auf Schulung! Hhmm … kann sein, muss aber nicht, wie die Hellseherin einmal sagte und vielleicht ist auch einfach nur Donnerstag oder schon gefühlt Freitag und die Leute haben schlichtweg keinen Bock mehr auf einen alten Bus, der ihnen womöglich noch den Feierabend rauben könnte.

So geht es eben ohne Service und ohne diverse Messungen und ggf. auch ohne funktionierende Lichtmaschine weiter. Was soll’s. Alles gut, solange Auberginchen schnurrt und die Sonne weiterhin so schön scheint.

Kurz vor Köln beginnen dann sämtliche Anzeigen außer dem Tacho zu spinnen. Alles klackert nur noch, die Nadeln springen hin und her. Die Blinker blinken nicht mehr, das Licht streikt ebenfalls, auch der Warnblinker hat keinen Bock mehr auf jedwede Funktionsweise … Wir sind ein wenig ratlos, was das sein könnte. Ein Stromproblem? Weiß der Geier! Doch wie auch immer, so ganz ohne Blinker auf der Autobahn ist’s auch blöd! Christian öffnet so nebenher den Sicherungskasten, weil es dort extrem klappert und bemerkt somit per Zufall, dass ein ganzer Schwung Kabel, die zu dem Anlass-Verhinderungs-Gedöns-Frag-Mich-Wie-Das-Teil-Heißt-Schalter geht, glühend heiß sind!

Oha! Das fühlt sich nicht wirklich gut an und Christian fährt sicherheitshalber kurz nach Köln auf einen kleinen Rastplatz raus. Ist uns doch zu heikel mit dem „heißen Draht“ weiterzufahren. Erst mal gucken, ob man irgendwas rausfinden kann und schlimmstenfalls den Bla-Gedönsstecker einfach ziehen und mal schauen, was dann geschieht.

Ich nehme die Hunde an die Leine und wir betätigen den Türöffner … NICHTS GESCHIEHT … Wie jetzt? Tür geht auch nicht mehr auf? Ich glaube, wir schauen ganz schön blöd in diesem Moment, dann lassen wir die Druckluft ab und öffnen das Ding eben manuell. So, also erst mal Pause. Christian packt das Messgerät aus und misst hier und dort und da und hinten und vorne und überhaupt und sowieso, aber irgendwie wird er auch nicht so recht schlau draus, was nun tatsächlich kaputt ist. Interessanterweise funktionieren die Anzeigen wieder, nachdem der Gedönsstecker ausgesteckt ist. Na prima. Dann können wir auch weiterfahren! Also alle wieder einsteigen, Christian betätigt den Anlasserknopf – Tot! … Also der Knopf! Wie jetzt?!? Jetzt springt das Teil noch nicht mal mehr an?!?!!! Na klasse! Und jetzt?

Es ist eindeutig Zeit für einen Kaffee und Keks-Nervennahrung! Dann starten wir einen Hilferuf im Wohnbusforum und es dauert nur wenige Minuten, da kommen schon die ersten Ratschläge und Tipps und Vermutungen rein und Christians Handy beginnt zu glühen von den vielen Anrufen. Die Leute sind einfach klasse!!! An dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank an alle und ein Hoch auf den, der das Wohnbusforum.eu gegründet hat!

Inzwischen ist es schon nachmittags und es ist uns klar, dass wir es heute vermutlich nicht mehr schaffen, nach Rheinberg zu kommen. Egal, alles easy … bauen wir den Stand eben morgen früh auf. Noch sind wir absolut davon überzeugt, das Auberginchen wieder zum Laufen zu bringen … und Laufen MUSS sie, denn ein Abschleppen würde augenblicklich absolut unser Budget sprengen.

Jedenfalls starten wir noch einen Versuch mit den zitronenfarbenen Abschlepp-Bengeln, doch die winken gleich mal freundlich ab mit den Worten: „Uns hat man gesagt, ein Wohnmobil, aber DA können wir nichts machen! Das sind ja gar keine Kosten gedeckt! Mann! Na wenigstens guckt er sich den Bus mal kurz an, um festzustellen, dass er NICHTS feststellt … warum auch … Wir lassen ihn ziehen, bin mal auf die Rechnung gespannt, aber gut … sollte die Versicherung ja trotzdem übernehmen. Von wegen „nichts gedeckt!“.

So und was machen wir jetzt???

Da kreuzt plötzlich der Klaus aus dem Forum auf mit den Worten: „Isch hab ma gedacht, isch guck mal eben schnell vorbei, ob isch hällfen kann!“ Wie supernett! Wir freuen uns ehrlich und Klaus nimmt alles gleich mal in Augenschein und spricht mit Christian alles durch, derweil ich mich mit den Hundis zum gefühlten hundertsten Mal über den Seitenstreifen des Rastplatzes bewege. Arme Viecherl. Kann sie leider nicht neben der Autobahn springen lassen, wenn wir noch eine Weile lang Freude an ihnen haben möchten.

Klaus ist eine ganze Weile bei uns, hat da auch so seine Vermutung, dass der Gedönsschalter im Eimer ist und mit dem Strom was nicht stimmt, aber er möchte am nächsten Morgen mit einem Kumpel, der sich auskennt, wiederkommen. Das ist doch mal ein Angebot und somit sind wir im Grunde genommen völlig relaxt ob der Hilfe, die morgen gegen 9.00 Uhr nahen soll.

Wir könnten uns in den Hintern beißen … Zu Hause stehen in der Werkstatt die ganzen Werkzeug-Kisten und Messgeräte, die wir normalerweise in der Aubergine mit herumfahren. Wir haben im Regelfall ja wirklich alles dabei, aber dieses Mal steht das gesamte Zeug noch in der Halle herum, weil wir es beim Ausbau unseres SAVIEMS benötigt und nicht wieder in unser Tourbusle eingeladen haben. Wir hätten allerdings auch nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet heute – nach 5 Jahren muckfreies Fahren – die Dame teilweise ihren Geist aufgibt, aber so isses nun mal … Solange man alles dabei hat, passiert gewöhnlich nichts. Wehe jedoch, wenn man das Zeug zu Hause lässt …

Für heute jedoch ist uns die Zeit und das Wetter zum Ärgern viel zu schade. Wir vertrauen auf morgen, auf den Spezialisten und darauf, dass wir noch gut in der Zeit sind. So gibt es Spaghetti neben der Autobahn, die gar nicht so laut ist, wenn sich gerade alles drauf staut, dazwischen noch ein paar Telefonanrufe und als endlich Ruhe einkehrt, machen wir ein wenig Platz auf dem Bustisch, packen uns mit Mari und Marco auf das Sofa und gucken uns noch einen  Film an … fast so, wie an einem ganz normalen, schönen Urlaubstag.

 

Es ist Freitagmorgen und wir sind schon seit 7.00 Uhr auf. Erstens müssen die Hunde raus, zweitens ist ein Kaffee fällig und drittens können wir ja nicht bis mittags schlafen, wenn doch Bushilfe angesagt ist. Sind ja nur noch zwei Stunden bis 9.00 Uhr.

Wir frösteln ein wenig an unserem Außenwohnzimmerraststättentisch aber hey … Die aufgehende Sonne verspricht einen wunderschönen Tag! Wir sind noch immer gut drauf und witzeln über alles Mögliche, während Christian schaut und überlegt und überlegt und schaut, ob er womöglich doch noch auf das Kernproblem kommt.

Es ist  kurz vor 9.30 Uhr, als Klaus und sein Bekannter auf dem Parkplatz halten. Klaus lacht: „Habter schon jedacht, isch komm nimmer.“ Dann geht’s los und sie räumen erst mal das Auto aus … Wie war das doch gleich? *sing* „Vollbepackt mit vielen Sachen, die dem Schrauber Freude machen, hinein ins Weekend-Feeeeever …“ Messgeräte, Werkzeug, Stromaggregat und ein großes Lade-/Startgerät kommen zum Einsatz, doch leider leider … den Helfern sei dennoch vielen herzlichen Dank für ihre Mühe und ihren Einsatz, auch wenn sie unverrichteter Dinge aufgeben und uns mit unserem defekten Auberginchen wieder alleine lassen mussten.

Derweil haben wir beschlossen, Uwes Angebot anzunehmen, welches da lautete: „Ich habe gerade einen LKW unterwegs, der euch anschleppen kann.“ So und auf den warten wir jetzt, denn Christian ist davon überzeugt, dass ein kleiner Ruck genügt, um Auberginchen wieder zum Rollen zu bringen. Kurze Zeit später ist der junge Mann auch bereits vor Ort und siegessicher bringt er den LKW in Zugposition. Super! Eine Abschleppstange hat er auch dabei! Geil! Aber … wir haben weder einen Schäkel noch einen Dorn dabei, um die Stange an der Aubergine zu fixieren. Drecksmist! Der Versuch, den Dorn aus dem vorderen Zugmaul des LKWs zu lösen, scheitert und somit muss auch unser vermeintlicher Retter leider ohne uns von dannen ziehen. Tausend Dank an Uwe und seinen Fahrer für den Hilfeversuch. Wir notieren derweil in unseren grauen Gehirnzellen: Superwichtig! Abschleppstange und Dorn oder noch besser 2 Dorne immer schön mitführen!

Es ist 13.30 Uhr, die Messe beginnt in eineinhalb Stunden und spätestens jetzt ist es sonnenklar, dass wir nie und nimmer mehr daran teilnehmen werden. Micha, die die Messe organisiert hat, machte uns gestern noch das Angebot, dass sie uns holen würde, wir samt Hunde bei ihr nächtigen könnten und sie mir Massagestuhl und Liege gerne bereitstellen könnte. Das war furchtbar lieb, aber Aubergine vollbepackt auf einem Rastplatz stehenlassen, kommt für uns mal gar nicht infrage und dass ich Christian mit Problemen und zusätzlich noch mit den Hunden jetzt hier sitzenlasse, nur um auf der Messe teilzunehmen, ist für mich auch kein Thema. Dennoch gilt auch Micha unser herzlicher Dank für ihr Angebot und ihr Verständnis … Das nächste Mal klappts bestimmt …

Da bei uns jetzt gerade mal ein wenig die Luft raus ist, beschließe ich, dass Christian sich jetzt ein wenig aufs Sofa legen und mit den Hundis chillen soll, derweil ich uns einen leckeren Kartoffelsalat kreiere. Na ja, wenn schon keine Messe, dann brauchen wir jetzt auch keinen Stress machen.

Nachdem wir uns gestärkt haben und der Kartoffelsalat unsere Lebensgeister und unseren Elan wieder geweckt hat, ist es inzwischen doch schon gegen 16.00 Uhr. Christian macht jetzt Nägel mit Köpfen. Anruf bei der Allianz zwecks Abschleppwagen zum Anschleppen, aber die guten Servicemitarbeiter haben ein Problem damit. Erst als mein Herzblatt sagt, dass er sich selbst um den Abschleppwagen kümmert, passt‘s auch für die Allianz. Kurze Zeit später ist ein Abschlepper organisiert und jetzt heißt es nur noch „Abwarten“ und Kaffee trinken.

Wir sitzen also gemütlich auf dem Bordstein in Höhe der verschlossenen Bustür, hinter der die Hunde autobahnsicher aufgehoben sind, da fährt ein Freisinger Reisebus auf den Rastplatz, parkt direkt vor uns und es steigen unzählige München 1860-Fussball-Fans – allesamt sturzbetrunken – aus. Einer kommt direkt auf uns zu, die Hunde schlagen Alarm, der Suffkopp stellt sich hin: „Du hasch Hund drrinn! Aufmachen!“ Wir gucken nur und schütteln grinsend den Kopf. „Aufmachen! Bolizei!“ Ja ja … „Wievill Hund du hasch da drrin?“ „Zwei“ Kopfschütteln. „Sinn mehrrr! Sinn geklautt! Warum machsch du Türr nit auf?“ „Weil ich die Hunde nicht auf der Autobahn zusammenkratzen möchte!“ Kopfschütteln! „Ruf isch Bolizei!“ „Ja, dann mach mal!“ … Der Typ dreht sich um, stachelt noch ein paar Kollegen auf, greift zum Handy und tut zumindest mal so, als ob er irgendwo anruft. Irgendwie verstehe ich noch: „Bus rrrottt, Hunde in Bus, BC-O302H“, dann geht es für ihn weiter und er muss einsteigen, derweil er immer noch telefoniert.

Unglaublich … Wir lachen uns kringelig, sind aber froh, als in unserem Umfeld wieder Ruhe einkehrt.

Keine halbe Stunde später fährt doch tatsächlich ein Streifenwagen auf den Rastplatz und hält vor unserem Bus.

Ein netter Polizist steigt aus, guckt sich das Auberginchen aus der Ferne an. „Ist das Ihr Bus?“ Christian nickt. Ich frage: „Kommen  Sie wegen der Hunde?“ Der Polizist nickt. Wir erklären ihm, dass wir zwei Hunde mit auf Reisen und außerdem eine Panne haben. Der Gute verdreht nur seine Augen und natürlich will er unsere geklauten Hunde nicht sehen. Dann macht er sich wieder auf die Socken. Schade, dass der Suffkopp nicht den Schneiderfahrt-Einsatz zahlen muss.

Während wir uns im Nachhinein immer noch über diese Situation amüsieren, steht auf einmal Sabine vor uns, die wir ebenfalls aus dem Forum und vom Bustreffen Kapellen-Drusweiler her kennen. Sie ist von Köln und begrüßt uns mit den Worten: „Isch hab das gelesen von eusch und hab mir gedacht, jetzt haste Feierabend und fährst da einfach ma vorbei,  ma gucken, ob se immer noch da sinn!“

Ja, liebe Sabine, da haste mal Glück gehabt, dass wir noch nicht weg waren, sonst hättest keinen leckeren Kaffee in ansprechendem Autobahnambiente bekommen! Vielen Dank für deinen erquickenden Besuch! Wir haben uns sehr gefreut.

Während wir noch beim Kaffeetrinken beisammensitzen, klingelt das Handy. Es ist der Abschlepper, der irgendwo im Stau steht. Aber was sagt Christian zu ihm: „Kein Problem – wir warten!“ … Ja klar warten wir … Wär jetzt ja auch blöd, wenn wir einfach davonfahren würden, oder?

Ein Blick auf die Autobahn und was sehen wir? Zäh fließender Verkehr und einen ADAC-Abschlepper, der ein ADAC-Fahrzeug abschleppt … Auch irgendwie doof. Eine knappe halbe Stunde später fährt dann endlich unser Retter auf den Rastplatz. Es dauert keine fünf Minuten und keine fünf Meter, bis das allgemeine Schnurren unseres Auberginchens wieder zu hören ist. Jetzt nur noch schnell die Formalitäten, dann sind wir endlich wieder mobil. Sabine begleitet uns noch bis zur nächsten Ausfahrt, ein letztes Winken – man sieht sich!

Jetzt müssen wir uns nur noch einhämmern, dass wir keinesfalls den Motor abstellen, wenn wir eben stehen und dass wir uns – bis wir zu Hause sind – nur noch leicht abschüssige Stellplätze suchen, damit Auberginchen wieder anspringt … sonst sind wir erneut am A…. .

Wir überlegen, ob wir zu unserem Forum-Harry fahren wegen diverser Ersatzteile, doch er verweist uns an Rainer, den wir ebenfalls aus dem Forum und von einigen Bustreffen her kennen. Er hat doch immer irgendetwas rumliegen, was uns sicherlich weiterhelfen könnte. Also machen wir uns in die grobe Richtung Heimat auf mit einem kleinen Schlenker zu Rainers Heimat. Etwa 60 km vor Idar-Oberstein fahren wir auf einen Rastplatz, um dort die Nacht zu verbringen. Rasch einen leicht abschüssigen Parkplatz gefunden, dann noch in Ruhe ein Filmchen gucken, und ehe wir ins Busbett sinken besuchen uns noch die Rastplatz-Aliens.

Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir am nächten Tag weiter und erreichen gegen 12.00 Uhr Idar-Oberstein, wo Rainer gleich  mal auf einem großzügigen Parkplatz die Aubergine unter die Lupe nimmt. Da scheinen wohl wirklich ein paar Dinge auf einmal und unabhängig voneinander kaputt gegangen zu sein. Lichtmaschine – ist wahrscheinlich, Anlasser auf jeden Fall, Schwungrad völlig im Eimer und was mit dem Gedönsrelais ist, ist noch nicht raus.

Jedenfalls baut Rainer uns noch schnell den Anlasser aus, versorgt uns mit einem Lichtmaschinenregler und lädt uns noch auf einen Kaffee ein. Doch dies ist noch nicht alles. Er zeigt uns einen Bilderbuchstellplatz in der Nähe von Idar-Oberstein – ein Traumplatz, auf dem man unbedingt mal ein Bustreffen machen muss. Wir sind happy und wir sind auch glücklich ob der sanften Schräge, auf der wir morgen unsere Aubergine wieder anrollen lassen und starten können.

Rainer bleibt noch ein wenig bei uns und wir verbringen gemeinsam einen netten Abend bei nicht ganz durchgegartem Spargel … Na ja, ist ja aber auch bisserl blöd, wenn erst noch das Gas ausgeht, dass man nicht mehr kochen kann und dann auch noch der Strom aufgibt, aber was soll’s … Gibt Schlimmeres.

Und was gab es an diesem Abend noch?

Mari hat mal wieder ihre Leine durchgebissen und beide Hundis sind abends dann noch einer Katze nachgedüst und in der Dunkelheit verschwunden. Allerdings ging es nicht lange, dann waren sie wieder da. Zum Glück ist dort hinten ja viel freies Feld und eine nur kaum befahrene Straße.

Gegen 21.30 Uhr verlässt uns Rainer und auch ihm sagen wir ganz herzlichen Dank für die Hilfe, die er uns zuteilwerden ließ. Vielleicht können wir uns irgendwann mal revanchieren.

So und wir steigen heute erstmalig wieder ins Busbett mit der Gewissheit, dass wir morgen wieder weiterrollen können. Ein gutes Gefühl!

 

Sonntagfrüh starten wir bei strahlendem Sonnenschein zu einem schönen Hundespaziergang rund um den Stellplatz. Wirklich eine atemberaubende Aussicht und traumhafte Landschaft. Toll! Den Hunden gefällt das auch und Mari reißt die bereits geflickte Leine jetzt noch einmal durch, weil sie unbedingt einen anderen Hund begrüßen möchte, der ebenfalls frei ist. Wieder zurück haben Marco und Mari zwei neue Hundefreunde gefunden, mit denen sie noch lange über die Wiesen jagen. Dann packen wir zusammen, um weiter Richtung Heimat zu gondeln. Wir beschließen, noch einen Tag dranzuhängen, denn wenn wir auf der Messe gewesen wären, wären wir auch erst am Dienstag nach Hause gekommen.

So fahren wir heute bis Neuffen und stellen uns in der Nähe der Burgruine Hohenneuffen auf einen ebenfalls wunderbaren und ruhigen Waldparkplatz, auf dem ein paar Leute ihren wöchentlichen Stammtisch abhalten.

Kaum angekommen, werden wir auch schon von einem Mann angesprochen: „Ich bin früher mit diesen Bussen nach Afrika gefahren und hab sie dort verhökert! Hab noch einen O302 stehen, wollt ihr den? Der wäre zum Schlachten geeignet.“ Oha – Schlachten! Bei uns gehen die Lichter an und wir klagen ihm unser Leid mit der Aubergine und siehe da: „Ich habe auch noch viele Einzelteile rumliegen. Könnte sein, dass da was für euch dabei ist. Kommt morgen einfach vorbei. Ich wohne gleich im nächsten Ort!“ Das ist ein Wort! Super! Wäre ja klasse, wenn wir tatsächlich dieses große Glück hätten, unproblematisch Ersatzteile zu bekommen.

Jetzt jedoch machen wir uns eine schöne Pizza (da der Strom wieder für den Herd ausreicht) und gucken noch ein oder zwei Filmchen.

 

Es ist Montagmorgen und wir haben wieder mal keinen Strom, aber so ganz ohne Kaffee geht’s auch nicht. Während ich mit den Hunden um den Parkplatz wandere, lässt Christian den Bus anrollen, um ihn zu starten, damit wir aus der Unterspannung kommen, die uns schon während der ganzen Nacht piepsend unseren oder zumindest mal meinen Schlaf geraubt hat. Ja, ehe der Leser nachsichtig lächelnd den Kopf schüttelt … Ich weiß, dass eine Unterspannung nicht piepsen kann!!!!

Lange Rede – kurzer Sinn … Christian lässt die Aubergine ruckelnd an, vergisst dabei, dass unser Kochgeraffel vom Vortag noch auf der Küchenzeile steht und somit fliegt die fast volle Ölflasche durch die Gegend und zerschellt auf dem Boden, derweil das gute Olivenöl sich über Fußmatten, Fußboden und auch z.T. Hundekissen verteilt … Hach ja … dann halt auch das noch … ich glaube, in diesen Tagen schockt uns nix mehr. Es gibt Schlimmeres als goldgelbe Ölpampe auf dem Boden.

Nachdem wir alles wieder im Griff haben, laufen wir mit Marco und Mari zur Burgruine Hohenneuffen, eine wunderbare Anlage, die auch wirklich noch gut in Schuss ist.

Vor unseren Augen werden die Ritter wieder lebendig, wie sie mit ihren edlen Rössern die Pflastersteine zum Burgtor hinaufgaloppieren … In solch einem Ambiente könnte ich mir die schönsten Geschichten ausdenken, doch sobald man damit beginnt, sich in eine alte Zeit zu träumen, wird man recht schnell wieder in die Realität gerissen, weil der Burghund Marco einen Riesensatz auf die Mauer macht und Christian ihn gerade noch festhält, ehe er ins Tal hinabkugeln würde … So ein Schlurch … musste dieses Kunststück auch gleich noch ein weiteres Mal wiederholen! …

Ehe unsere Hunde womöglich doch noch das Fliegen lernen, treten wir wieder den Rückweg zum Stellplatz an. Noch schnell einen Kaffee trinken, dann geht’s weiter zu besagtem Ersatzteilmenschen, der keine fünf Minuten entfernt wohnt.

Christian und Martin werden dann auch tatsächlich fündig. Halleluja! Ein Anlasser und eine Schwungscheibe nehmen wir gleich mit und Martin will in der nächsten Woche schauen, ob er auch noch eine Lichtmaschine rumliegen hat. Wenn nicht, hat er einen Kumpel ums Eck, der sich mit Lichtmaschinen auskennt und auch welche liegen hat, falls irgendetwas nicht mehr reparabel sein sollte. Mensch, haben wir ein Glück.

Christian und Martin vereinbaren für kommende Woche einen Termin, um alles einzubauen. Das ist super, zumal Martin auch eine Hebebühne für Busse hat. Jetzt sind wir wirklich happy.

Wie’s doch so manchmal spielt … Toll!

Herzlich verabschieden wir uns von Martin und nehmen die letzten Kilometer Richtung Heimat in Angriff.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichen wir um 15.15 Uhr Dettingen. Die Hunde freuen sich, ohne.Leinenzwang durch den Garten tollen zu können, derweil wir uns noch einen Kaffee gönnen,   ehe wir den Bus ausräumen.

 

Redaktion:

„Und, Frau Berktold, wie würden Sie die vergangenen Tage beschreiben?“

Frau Berktold:

„Ich würde sagen, es waren spannende Tage mit netten Begegnungen, mit vielen hilfsbereiten Menschen, vielen situationsbedingten Wendungen, denen man jedoch immer etwas Positives abgewinnen konnte, auch wenn es anfangs nicht danach aussah. Wir hatten also trotz des Ausfalls der Messe schöne Momente der Begegnungen, des Glücks, der Freude, viel Sonne, jede Menge gute Laune, die süßesten Hunde der Welt und alles, was vielleicht auf den ersten Blick hin nicht so toll gelaufen ist, ist nur ein Bruchteil dessen, was uns das Leben in diesen Tagen an Erfahrungsreichtum beschert hat. Das Leben ist ein Abenteuer und man muss stets das Beste daraus machen.

 

Tausend Dank noch einmal an alle! Man sieht sich!

Gefahren:  1190 km

Getankt:  130 Liter für schlappe 151,97 €

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