Weihnachtsurlaub –  27.12.2017 – Tag 3

Guten Morgen. Wir haben am Fuße der St. Michel-Kirche wunderbar geschlafen. Natürlich war der Womo-Stellplatz für unser Auberginchen viiiiel zu klein, also stellen wir uns – frech wie wir sind – selbstverständlich auf den danebenliegenden Busparkplatz. Ist ja eh Winter und nix los, einen Bus haben wir quasi auch, ergo haben wir hierbei auch kein schlechtes Gewissen. Da auch ansonsten keine weiteren Wohnmobilleute hier übernachten, konnten wir auch schön die Heizung laufen lassen, ohne dass sich womöglich jemand an dem Geräusch stören könnte. Klasse!

Jetzt sind wir ziemlich gut ausgeschlafen und genießen die ersten beiden Kaffees, derweil Christian damit beginnt, unsere Bilder zu bearbeiten. Schließlich müssen demnächst ja die bereits bestehenden Blog-Artikel online gehen.

Heute hat es bereits 11 Grad in Le Puy en Velay und wenn der Wind nicht wäre, könnte es sogar schon richtig angenehm warm sein, zumal auch die Sonne schon ihre Fühler nach uns ausstreckt.

St.Michel + Christian ohne St.

Wir beschließen, mit den Hundis einen kleinen Spaziergang zur Cathedrale zu machen, wo wir doch noch einmal die Schwarze Madonna besuchen möchten. Strahlte sie vor zwei Jahren eine schier unglaubliche starke und vor allem auch absolut fühlbare Energie aus.

Blick vom Cathedral-Vorplatz auf Le Puy

So dackeln, bzw. maltesern wir die gefühlten tausend Stufen zur Cathedrale hinauf, dann drehe ich eine kleine Hunde-Runde, derweil Christian schon mal reingeht. Später drehen wir den Spieß um, sodass auch ich noch einmal in den Genuss dieser absoluten Ruhe in der Cathedrale komme. Es ist irgendwie so ganz anders als vor zwei Jahren. Die monumentale Kirche ist komplett leer, nur der Pfarrer und eine Putzfrau stolpern uns über den Weg, dann ist wieder Ruhe. Ich setze mich vor die Madonna und stelle fest, dass die fühlbare Energie bei weitem nicht so stark ist, wie zu unserer Pilgerzeit, aber ein plötzlicher Blumenduft erreicht meine Sinne, genauso, wie beim letzten Mal … und NEIN … Es stehen dort KEINE Blumen herum!!! So freue ich mich, die Präsenz der Schwarzen Madonna zu erfühlen, verharre noch ein paar Minuten in stiller Einkehr, ehe ich mich wieder zu meinem Herzblatt und den bellenden Hunden geselle, die den Cathedralenplatz aufmischen. Christian und ich sind uns darüber einig, dass diese immense Energie aus 2015 mit Sicherheit auch durch die vielen Pilger verstärkt wurde, die damals in Scharen die Kirche bevölkerten.

Hl. Jakobus

Auch allgemein ist in Le Puy absolut gar nichts mehr los. Nur ein paar Einheimische gondeln dort über die Straßen, aber die Menschenfluten des Sommers sind bereits Vergangenheit. Einen einzigen Pilger treffen wir noch an, der etappenweise seinen Pilgerweg alle Jahre wieder beschreitet. Er ist einst in Würzburg gestartet und dieses Jahr soll es bis Toulouse gehen. Viel Glück, liebe Pilger und buen Camino für dich von Herzen!

Wir kehren wieder zurück zum Busle, welches getreu auf uns gewartet hat, checken noch einmal unsere bevorstehende Route, dann machen wir alle Schotten dicht und gehen wieder auf große Fahrt.

Start heute in Le Puy en Velay um Schlag 11:00 Uhr bei bedecktem Wetter, jedoch mit ein paar Sonnenstrahlen, die immer wieder die Wolkenschicht durchdringen.

Navi sagt uns, dass es irgendwann in hundertirgendwas Kilometern zu schneien beginnt – brrrrrrrrrrr … gefällt mir gar nicht! Noch weniger gefällt mir, als wir erst eine dreiviertel Stunde unterwegs sind, hier schon Regentropfen, gemischt mit ein paar nassen Schneeflocken vom Himmel kommen. Hallo-o … alles überzuckert hier oben – naja okay, 1216 Höhenmeter … da ist Schnee um diese Jahreszeit legitim 😉 aber ganz ehrlich … ich hab da keine Lust mehr drauf! Was bin ich froh, wenn wir erstens am Meer sind und zweitens, wenn es endlich wieder Sommer ist, aber das hatten wir ja bereits gestern.

brrrrrrrrrrrr

Mal schauen, wie weit wir heute kommen, aber egal, wie viele Kilometer wir heute fahren … morgen werden wir auf jeden Fall den Atlantik erreicht haben. DAS gefällt mir J J J

Im Augenblick jedoch fahren wir durch totales Winterwonderland, durch die saukalte Aubrac. Weit und breit keines unserer geliebten Aubrac-Rinder zu sehen, dafür um so mehr Schnee. Ich lege mich mit Lisa an, die uns auf ein ganz kleines, schmales Sträßle schicken möchte, welches völlig zugeschneit ist und relativ steil nach oben führt … Nee, Lisa, kannste vergessen! Träum weiter! … und Zack, gibt sie Ruhe! Die Gute ist erst mal beleidigt mit uns und sagt keinen Mucks mehr, derweil wir auf der schneefreien, etwas breiteren Straße weiterfahren. Wir gehen davon aus, dass über Kurz oder Lang alle Wege und Straßen an den Atlantik führen. Augenblicklich sind wir auf einem Pass in 1264 m Höhe und Auberginchen kämpft gegen einen elenden Seitenwind … Ich kämpfe auch gegen den Seitenwind, nämlich gegen den, der zur Beifahrertür wieder mal gnadenlos reinbläst. Grmbl … ich möchte jetzt Meer … und Sonne … und warm … … … Mehr braucht’s ja gar nicht – reicht doch!

Die Hunde werden mal wieder in die Decke eingemummelt – wie sollte es anders sein, aber dann geht’s endlich ein Stückchen bergab, die Gegend wird relativ schnell schneefrei, aber der kalte Wind pfeift immer noch durch den Bus. Hilft nix – ein Hoch auf die Gasheizung, die wir jetzt umtaufen in „Hundeheizung“.

Wir fahren nach Mende und freuen uns dort auf einen HyperU, bei dem wir uns ein Frühstück besorgen möchten, doch was wir vorfinden, sind ein MD, der noch nicht mal Veggieburger hat, ein Baumarkt, ein Gartencenter, ein Elektromarkt, ein Küchenstudio und diverse Was-weiß-ich-Studios, jedenfalls keinen Supermarkt. Also umsonst mit Marco und Mari durch den eiskalten Wind geschlappt. Somit frühstücken wir das, was wir noch haben, reicht auch! Hauptsache ist eh der heiße Tee zum Aufwärmen. Nach unserem Frühstück um 14:30 Uhr brechen wir wieder auf, begleitet von Schneeregen, später ein regelrechtes Schneegestöber und vermeintlicher Sonnenfinsternis, denn die Wolken lassen absolut keinen Sonnenstrahl mehr zu.

Na prima:

Chaussée deformée

und noch Schnee,

des is net schee …

Aber irgendwann ist auch das vorüber. Die Schneedecke auf der Straße gehört der Vergangenheit an, nass ist es zwar immer noch, dunkel wird es auch so langsam, aber letztendlich nähern wir uns unserem heutigen Ziel: Cahors.

Durch dieses schöne Städtchen fahren wir gleich drei Mal hindurch, da wir noch einen Supermarkt suchen. Schließlich bemühen wir Lisa, um einen Supermarché zu finden, doch das Navi-Weib ist mit uns immer noch sauer. Schickt sie uns doch tatsächlich in ein Minimalsträßchen mitten in der Wohnsiedlung. „Halten Sie sich links – Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Welches Ziel? Die Hofeinfahrt des kleinen Einfamilienhauses? Selbstverständlich ist hier KEIN Supermarkt und mein Herzblatt muss das Auberginchen mit Zentimeterabständen zu Hausmauern und Bäumen wieder hinaus auf eine adäquate Straße manövrieren … Is mir schlecht und bin ich froh, dass ich da nicht fahren muss. Weiß schon, warum ich keinen LKW-Führerschein mache!!!

Wieder in der heilen Bus-Straßen-Welt beschließen wir, jetzt doch lieber einen Stellplatz zu suchen. Auf den Supermarkt verzichten wir.

Es ist 19:30 Uhr, als wir tatsächlich auf dem Stellplatz, direkt am Flüsschen Lot,  einparken. Der ist auch sehr eng, aber Christian ist das heute ja schon gewöhnt. Es gibt hier drei Plätze und zwei sind bereits belegt. Als wir endlich unter den niedrigen Bäumen stehen, die Antenne und die Hupen auf dem Dach sind unverletzt geblieben, kommt ein weiteres großes Womo an … Glück gehabt. Fünf Minuten später und wir hätten unsere Suche nach einem Übernachtungsplatz weiterführen müssen. So rauscht der andere unverrichteter Dinge wieder ab. Wir dagegen gehen noch einmal mit den Hundis raus, dann machen wir uns ein paar Spaghetti, schauen nebenher einen netten Film an, genießen mal wieder die Wärme der Heizung und fallen dann müde ins warme Bettle.

Der letzte Gedanke gilt dem Atlantik, den wir morgen erreichen und schon sind wir nach heutigen 300 km Fahrt im Reich der Träume.

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